Travel

Wie es ist, Weihnachten bei 40 Grad am Strand zu verbringen

Als ich 2019 in Australien war, wollte ich Weihnachten, ganz klischeehaft und stilecht :D, in Sydney am Strand verbringen. Einfach, um zu erfahren, wie es ist, dieses besondere Fest im kompletten klimatischen Gegenteil zu erleben.

Ist man Weihnachten über in Sydney, oder generell Australien, herrscht dort Hochsommer. Das heißt, Temperaturen über 40 Grad sind an der Tagesordnung. Man verbringt Weihnachten also nicht eingemummelt im geheizten Haus, sondern draußen, am Strand, unter der brennenden Sonne (und dem Ozonloch). Da die Australier am 25.12. feiern, verschieben sich auch die Feiertage anders, als man es eventuell aus Deutschland gewohnt ist, was mir oft in der Planung aufgrund von Öffnungszeiten einen Strich durch die Rechnung machte, da ich meine Abreise vorbereiten musste.

Ich verbrachte Weihnachten zusammen mit einer Backpackerin, mit der ich die letzten zwei Monate unterwegs war. Das Fest war ein wenig angespannt und eigentlich wussten wir bis zum Tag des Abflugs nach Sydney nicht einmal, ob wir überhaupt dorthin kommen / dorthin wollten, weil zu der Zeit die fürchterlichen Buschfeuer wüteten. Zum einen war uns nicht klar, ob wir überhaupt einreisen konnten, da der Flugverkehrt zwischendurch auch in Mitleidenschaft gezogen worden ist und dann waren wir auch skeptisch, ob wir alles machen können würden – so zum Beispiel das New Year Feuerwerk, auf das wir beide uns gefreut hatten. Wir kauften zur Not sogar Masken. Wenn wir damals gewusst hätten, dass wir die nur ein paar Monate später sowieso nur noch tragen würden … verrückt.

Glücklicherweise ging aber alles mit der Reise glatt und wir konnten auch alles machen, was wir uns vorgenommen hatten. Trotzdem hat man die angespannte Atmosphäre gemerkt, gerade in Bezug auf das Feuerwerk. Das hat uns ein wenig die Freude genommen, weil einen diese grauenvolle Naturkatastrophe natürlich nicht kalt gelassen hat.

Wir entschieden uns, auch am 25.12. zu feiern, um das gesamte Spektakel mitzuerleben. Da wir aufgrund der hohen Temperaturen und überhaupt der ganzen Ausnahmesituation nicht in Weihnachtsstimmung waren, beschlossen wir, es uns wenigstens ein bisschen nett zu machen und kauften uns im Kmart Weihnachtsdeko. Da es schon Ende Dezember war, war so gut wie alles leergeräubert, weshalb es ein eher … untypisches Dekorationsstück wurde:

Es ist so fürchterlich kitschig und gleichzeitig mit so vielen Erinnerungen verbunden, dass ich vor meiner Ausreise den langen Stil über der Spüle im Hotelzimmer mit einem Brotmesser absägte und die Deko mit nach Hause brachte. 2020 zierte sie unseren deutschen Weihnachtsbaum.

Da wir aber doch nicht so ganz untätig am 24.12. sein wollten, denn schließlich ist das das Datum, an dem wir beide es gewohnt sind, Weihnachten zu feiern, gingen wir an dem Tag in den Zoo, den wir ohnehin besuchen wollten. Zuerst waren wir ein wenig unsicher, weil wir davon ausgingen, dass es an Weihnachten wahnsinnig voll sein würde. Aber die Sorge war vollkommen unbegründet, da der 24. in Australien ein ganz normaler Werktag ist, wie bei uns der 23.12.. Es fühlte sich ungewohnt an, erleichterte uns aber den Besuch im Zoo 🙂

Am 25.12. gingen wir – wie gefühlt halb Sydney, an den Strand. Natürlich – ebenfalls wie halb Sydney – an den Bondi Beach.

Schon auf dem Weg dorthin war es merkwürdig, die Leute zu beobachten. Sie trugen Flipflops oder Sandalen. Manche hatten Rentiergeweihe auf dem Kopf, kaum jemand trug die typischen Weihnachtsmannmützen. Klar, bei den Temperaturen und direkt am Strand unter der Sonne. (Unsere Mützen konnten wir auch nur für das kurze Fotoshooting auflassen, weil wir uns darunter zu Tode schwitzten) Als wir ausstiegen und Richtung Strand liefen, kamen uns etliche Leute mit Surfboards entgegen, die weihnachtliche Motive aufgedruckt hatten. Hier hat man keine Schlitten, sondern Surfbretter. Viele trugen weihnachtliche Badeshorts im Stil von den Weihnachtsmannhosen. So etwas habe ich bisher in der Fülle und Variation noch nie live gesehen. Ich kenne mittlerweile echt schräge Weihnachtspullis, Mützen und Socken. Aber Bademode war mir neu.

Ein wenig erschlagen waren wir, obwohl wir es erwartet hatten, trotzdem von der Fülle der Menschen am Strand.

Es war gar nicht mehr so leicht, einen schönen Platz zu finden, an dem wir uns nicht mit anderen in die Quere kamen. Hier und da wurde BBQ gemacht. Dort wurde Eis gegessen, oder auch Ball gespielt. Die Stimmung war ausgelassen und gut. Manche spielten Weihnachtslieder über Bluetoothboxen ab. Am Strand bei 40 Grad lauthals zu „Let it snow“ mitzusingen, hat was.

Wir machten dann natürlich etliche Fotos, denn wann kommt man schon noch einmal in diese Situation?

Das Bild hat keine Bearbeitung bekommen und sieht so trüb aus wegen der Buschfeuer.

Es ist schwierig, diese Atmosphäre in Worte zu fassen. Während alle Zeit mit ihren Familien verbrachten, genau wussten, was sie tun wollten und für die das alles hier normal war, empfanden die Backpackerin und ich es als absolut unnormal. Es war ein toller Tag am Strand. Und war wirklich witzig zu beobachten, wie Australier Weihnachten feiern und die jeweilige weihnachtliche Bademode zu kommentieren. Aber eigentlich … war es eben nur das: ein schräger Tag am Strand.

Es fühlte sich die ganze Zeit an, als wären wir in einer Folge von „Verstehen Sie Spaß?“ gelandet, in der man sich wundert, wieso alle so abgedreht angezogen sind und so am Strand herumlaufen, weil es überhaupt keinen Sinn ergibt.

Das weihnachtliche Gefühl fehlte gänzlich.

Wir beide waren und kamen einfach nicht in diese besondere Stimmung. Nicht einmal dann, als wir abends einen Spaziergang machten und einige Passanten in die Kirche gingen, aus denen die weihnachtlichen Gesänge drangen, die man auch aus Europa gewohnt ist. Es wirkte alles deplatziert.

Ich kann das gar nicht richtig in Worte fassen, weil es für uns so absurd war und für alle anderen total normal und nicht der Rede wert. Diese beiden komplett gegensätzlichen Haltungen hatten einen riesigen Clash und der war schwer zu verstehen und emotional auszuhalten, weil man zwar kein Heimweh hatte, aber an diesem Tag doch gern mit der Familie zusammen gewesen wäre.

Während die Backpackerin noch am Strand blieb, ging ich zurück in die Stadt, weil ich generell kein Fan vom Strand und der Sonne bin. Ich hatte einen Eindruck bekommen und das reichte mir dann. Mir wird dann schnell langweilig und so bin ich zurück in die Stadt gefahren und habe auf dem Weg zu unserem Hotel gemerkt, dass der Buchladen Dymocks geöffnet hatte. Das war mein Weihnachtsgeschenk an mich, obwohl es höchst befremdlich war zu sehen, dass die Leute an Weihnachten normal geöffnet hatten und sich auch keiner darüber aufregte, so wie es in Deutschland oft der Fall ist. Die Mitarbeiter waren total entspannt und liebevoll.

Weil es dann schon wahnsinnig heiß war, machte ich mir ein zweites Geschenk: Eine große Portion Ben and Jerry’s.

Abends bereiteten die Backpackerin und ich unser Weihnachtsmenü zu. Wir hatten lange überlegt, was wir eigentlich essen wollten, da die typischen Gerichte für uns beide angesichts der Hitze (und Ermangelung einer großen Küche) nicht in Frage kamen. Also entschieden wir uns für Wraps mit verschiedenen Toppings und während wir diese zubereiteten, hörten wir über Spotify Weihnachtslieder, was uns beide oft zu kleinen Lachanfällen brachte, weil es so falsch war.

Anschließend gingen wir noch spazieren, um ein wenig frische Luft zu schnappen und entdeckten etliche Familien, die beladen mit Geschenken durch die Straßen liefen. Als wären sie zu einer überdimensional großen Geburtstagsfeier eingeladen, die nichts mit Weihnachten zu tun hat.

Es war ein schöner Tag am Strand. Aber nicht unbedingt Weihnachten.

Dinge, die ich als Europäerin befremdlich fand:

Weihnachtsdekoration

Hier kennt man es, dass die Weihnachtsdekoration teilweise aus Kunstschnee besteht oder Schneeflocken aus Glitzer, Papier, Lichterketten, etc. in Fenster gehangen werden, um die gemütliche Stimmung von Weihnachten im Winter zu betonen.
Viele australische Geschäfte machen das auch. Man kommt also von draußen (40 Grad) mit Shorts und Top ins klimatisierte Shoppingcenter und während man die Rolltreppe in das obere Stockwerk hinauffährt, kommt man an liebevoll dekorierten Weihnachtsszenerien vorbei, in denen … Schnee liegt.

Weihnachtssongs

Jeder stellt sich jetzt bitte einmal „Last Christmas“ vor. Was kommt euch in den Kopf, wenn ihr das Lied hört? Dass ihr eventuell eingepackt in Mantel, Schal, Handschuhen und eventuell im Schnee durch die Einkaufspassage lauft, während ihr Ausschau nach einem Glühweinstand haltet?
Die Songs kennt man in Australien natürlich auch, aber hier hört man sie bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein.

Weihnachtsmärkte

Gibt es nicht. Zumindest nicht so, wie wir sie kennen. In Sydney ist zwar dekoriert gewesen, aber es gab nicht die typischen Buden, die gebrannte Mandeln, Maronen oder Glühwein verkaufen. Hier gibt es Flipflops, Bier und Fleisch fürs BBQ.

Zugegeben, dieses Weihnachten war sehr schräg und fühlte sich überhaupt nicht nach Weihnachten an. Merkwürdig war es, mit der Familie zu skypen, die alle dick angezogen waren und um den Weihnachtsbaum saßen, während man selbst einen fetten Sonnenbrand hat. Ich hatte kein Heimweh, aber es war … komisch. Für mich gehören zu Weihnachten nicht nur meine Familie, sondern bestimmte Traditionen und auch eine gewisse Außentemperatur, damit das Ganze sich auch wie Weihnachten anfühlt.

Ich bin dankbar für diese Erfahrung, weil es total verrückt war und ich so etwas noch nie erlebt habe und das definitiv eine Erfahrung ist, die man mal gemacht haben muss, wenn man das möchte. Ich konnte mir so ein Weihnachtsfest nie vorstellen und bin dankbar, einen Einblick erhalten zu haben. Aber Weihnachten muss sich für mich anders anfühlen – und vor allem mit den Leuten verbracht werden, die mir am Herzen liegen. Denn seit Weihnachten 2018 habe ich kein einziges Weihnachtsfest mehr mit meiner gesamten Familie feiern können, weil Corona uns einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Deswegen hoffe ich, dass es dieses Jahr möglich sein wird.

Würdet ihr gern einmal Weihnachten am Strand verbringen?

No worries,
Sarah

Kommentare deaktiviert für Wie es ist, Weihnachten bei 40 Grad am Strand zu verbringen