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Warum ich nie wieder WWOOFing in Australien machen würde

G’day, Mates!

Heute möchte ich euch über meiner Erfahrungen mit WWOOF in Australien erzählen und weshalb ich das nie wieder machen würde (und eigentlich auch nur jedem davon abraten kann).

Was ist WWOOFing?
Wieso habe ich WWOOFing gemacht?
Wo habe ich WWOOFing gemacht?
Meine Erfahrungen
Fazit
Weiterführende Links

Was ist WWOOFing?

WWOOF ist eine Organisation und steht für willing workers on organic farms, wurde aber nun zu worldwide opportunities on organic farms (wo ist das dritte o?) geändert und funktioniert als Vermittlung von Farmen und Backpackern, die im Austausch für Kost und Logis auf den Farmbetrieben mithelfen. Die Organisation wirbt damit, 38 Stunden pro Woche auf Farmen zu arbeiten (max. 4-6 Stunden pro Tag, 1-2 freie Tage pro Woche) und dafür kostenlos Unterkunft und Essen zu erhalten. Um das vollständige Angebot der Website nutzen zu können, bezahlt man 70$ für eine zweijährige Mitgliedschaft (bei mir waren es 2019 knapp 70 Dollar für eine einjährige Mitgliedschaft). So erhält man Zugang zur Website und der App (die aber absolut unbrauchbar ist und sofort von meinem Handy flog) und kann die kompletten Profile der Farmen einsehen, diese kontaktieren und deren Location einsehen.


Klingt doch eigentlich erst einmal nicht schlecht, wenn man in Australien Erfahrungen machen und Geld sparen möchte, oder?


Nun ja. Die Praxis sieht leider anders aus.

Wieso habe ich WWOOFing gemacht?

Als ich nach Australien gegangen bin, stand für mich fest, dass ich eigentlich ausschließlich auf Farmen arbeiten wollte. Zum einen, weil ich die Serie McLeod’s Daughters liebe und unbedingt dieses Feeling wollte, zum anderen, weil ich kein Stadtmensch bin und innerhalb dieses einen Jahres andere Erfahrungen machen wollte als die, die ich täglich in der Stadt sammeln kann. Raus aus der Komfortzone war mein Motto. Ich wollte lernen, was Farmarbeit bedeutet und Erfahrungen sammeln, die ich niemals in Berlin oder Deutschland auf diese Art machen konnte.

Wo habe ich WOOFing gemacht?

Insgesamt arbeitete ich auf drei Farmen für eine Dauer von fast drei Monaten.

Coonabarabran (New South Wales)

Aufenthalt: 2 Wochen
Arbeitszeit: Täglich 6 Stunden, festgelegte Zeiten, 1 freier Tag in der Woche
Unterbringung: Mehrbettzimmer im WWOOFing-House
Verpflegung: Organisiert durch den Host (sie hatten ein Café und Restaurant und die Küchenhilfe hat für uns gekocht)
Tätigkeiten: Housekeeping, Farmarbeit wurde mir grundsätzlich verboten “Du bist hier, um zu putzen!”
Internet: limitiert und schlecht, da über Satellit
Handyempfang: keinen

Mount Barker (South Australia)

Aufenthalt: 5 Wochen
Arbeitszeit: täglich 10 Stunden, keine festgelegten Zeiten, 1 freier Tag in 5 Wochen
Unterbringung: im Haus der Hosts, eigenes Zimmer + Bad
Verpflegung: durch Host und meine Mithilfe
Tätigkeiten: Farmarbeit pur
Internet: nur über das eigene Datenvolumen
Handyempfang: nur über den Anbieter Telstra

Chiltern (Victoria)

Aufenthalt: 4 Wochen
Arbeitszeit: 6-9 Stunden täglich, 2 freie Tage in der Woche
Unterbringung: im Haus der Hosts, Mehrbettzimmer + eigenes Bad für WWOOFer
Verpflegung: kaum vorhanden, kein Essen im Haus, teilweise selbst bezahlt
Tätigkeiten: Farmarbeit, Au Pair, Putzhilfe
Internet: WiFi, unlimited
Handyempfang: Über den Anbieter Telstra, nur nicht im Haus (da massive Backsteine)

Meine Erfahrungen

Ich habe mich WOOOFing angeschlossen, weil ich auf Farmen arbeiten wollte und die Regeln der Website geben vor, dass auch nur diese Arbeit erlaubt ist. Anscheinend hat sich das mit dem neuen Slogan geändert, was ich sehr schade finde.


Daher war ich negativ überrascht, weil mir Farmarbeit auf der ersten Farm verboten wurde. Angedacht war ein Aufenthalt von vier Wochen, der mit der deutschen Organisation, mit der ich nach Australien ausgereist bin, organisiert worden ist. Diesen habe ich jedoch nach zwei Wochen abgebrochen, weil die Zustände für mich unzumutbar waren.

Wir durften nur jeden 3.-4. Tag duschen, weil wir in der Dürreperiode waren – verstehe ich. Die Farm benutzt das eigene Grundwasser, das nicht ewig reicht, weil sie off the grid leben. Problem ist aber, dass ich mich gern duschen wollen würde, wenn ich den ganzen Tag Toiletten putze oder Dreck anderer Leute wegmache. Es gab für uns WWOOFer nur ein Plumpsklo, das von meinem Zimmer (und dem Café, in dessen Umgebung ich viel arbeiten musste) etwa 5min Fußmarsch entfernt ist, was in Australien in absoluter Dunkelheit machbar ist, aber alles andere als angenehm. Das fand ich insgesamt schon nicht so toll, aber wenn man dann eigentlich nur Betten bezieht, putzt, die Unterkünfte hübsch herrichtet und sich ständig mit der Familie streitet, weil man Farmarbeit verboten bekommt, fällt so etwas stärker ins Gewicht als sonst. Denn ganz ehrlich? Das kann man auch in Hostels, mit Spültoilette und täglicher Dusche (und eventuell sogar gegen Lohn).

Mich hat es auch gestört, dass die Familie aus Deutschland kam und dadurch viel Deutsch und absolut falsches Englisch gesprochen wurde. “How are you going?” anstatt “how are you / how is it going”, da haben sich mir jedes Mal die Fußnägel hochgerollt. Ich kam mit keiner der Personen zurecht und habe mich dort durchgängig sehr unwohl gefühlt. Es gab beispielsweise auch oft Streit, weil die Kinder der Hosts die frisch gemachten Betten in den Unterkünften wieder zerwühlten und ich mich irgendwann geweigert habe, diese ständig und immerzu neu zu beziehen, nur weil die Mutter es nicht geschafft hat, ihnen den Zugang zu den Räumen zu verwehren.

Uns Arbeitern wurde zum Beispiel auch verboten, Wasser aus dem Hahn zu trinken, da dies für die Gäste reserviert ist. Für uns war lediglich das Regenwasser gut genug, das so ekelhaft geschmeckt hat, dass ich es nicht trinken konnte. Sobald Gäste im Café waren, durften wir nicht dort sitzen und unsere Mahlzeit zu uns nehmen, sondern mussten uns in den überheizten Räumen rumdrücken oder hinter dem Haus. Im Buckingham Palace verständlich, im Nirgendwo des australischen Outbacks auf einer Farm nicht.

Ich habe die WWOOFing-Betreiber kontaktiert, weil ich es nicht richtig finde, dass die Regeln dort nicht eingehalten werden. Meine Beschwerde wurde ernst genommen und es hieß, sie hätten die Farm kontaktiert und sie damit konfrontiert. Einige Monate später sah ich aber, dass sie nun auf dem WWOOFing-Profil zu stehen hatten, dass Unterkünfte putzen, also Housekeeping, Jobs auf der Farm sind, was definitiv gegen die Richtlinien von WWOOF spricht. Also habe ich die Betreiber erneut kontaktiert und gefragt, wie es sein kann, dass die Bedingungen nach meiner Beschwerde schlechter sind als vorher. “Wir kümmern uns drum”.


Das hat bei mir zum ersten Vertrauensbruch geführt. Wenn eine Organisation wie WWOOF Richtlinien hat, müssen diese eingehalten werden. Punkt, aus Ende. Ansonsten verliert die gesamte Organisation für mich an Glaubwürdigkeit und Vertrauen, gerade in Problemsituationen. Um es mal ganz klar zu sagen, was auf den ersten Blick der Homepage nicht bewusst ist: Die Betreiber der Organisation kennen keine der Farmer persönlich; sie besuchen diese nicht, um die Verhältnisse zu kontrollieren. Sie wissen nicht, wie WWOOFer behandelt werden und sie wissen vor allem nicht, wo sich die WWOOFer aufhalten, weil man im Profil keine Location vermerken muss. Ich kann mich als Farmer registrieren, überweise den Mitgliedschaftsbeitrag und gut ist. Wer ich bin und was ich mache, weiß keiner. Am Ende steht Aussage gegen Aussage. Du hast in diesem Fall also keinerlei Sicherheit, falls unter irgendeinem Farmer ein schwarzes Schaf steckt. Und das finde ich gefährlich. Falls hier jemand mit den Augen rollt, sage ich nur eins: Ich wäre beinah auf einer Farm zusammengeschlagen worden und hatte kein Netz, um die Polizei zu kontaktieren. Seitdem sehe ich die Dinge anders. Das ist mir zwar nicht im Kontext von WWOOFing passiert, aber das hat nichts zu sagen.

Die zweite Farm war spitze. Ich habe ausschließlich Farmarbeit gemacht, unglaublich viel gelernt und wurde wirklich in jeden Prozess eingebunden, ganz gleichgültig, was es war. Ob der Einkauf für den Wochenmarkt, Wurmkuren für Kühe oder Holz hacken für den Ofen. Es war genau das, was ich mir vorgestellt habe. Der einzige Wermutstropfen: Ich musste täglich zehn Stunden arbeiten, was deutlich über dem Limit von 4-6 Stunden liegt und mit 70 Wochenstunden auch fast das Doppelte darstellt, was an Arbeitszeit erlaubt ist.Auch hier kontaktierte ich die Betreiber und fragte, wie man sich in so einem Fall verhält. Denn am Ende bist DU der Gast in dem Haus deiner HOSTS. Du hast deren Regeln zu befolgen und wenn du das nicht tust, schmeißen sie dich im schlimmsten Falle raus und das kann, wenn du mitten im Nirgendwo bist und darauf angewiesen bist, dass sie dich zur nächsten Bushaltestelle oder Ähnliches bringen, schon mal unangenehm werden. Also passt man sich zähneknirschend an.

Auf diese Beschwerde reagierte man mit: “Selbst Schuld, wenn du dir die Farm ausgesucht hast und dort geblieben bist.”

Die Organisation ist dazu angehalten, zu prüfen, dass die Richtlinien eingehalten werden und das unterliegt nicht meiner Verantwortung. Ja, ich hätte etwas sagen können und müssen, aber nachdem mein Host mal einige Mädels rausgeschmissen hat, die Angst hatten, bei einer komplizierten Kälbergeburt mitzuhelfen, hatte ich Respekt vor einer eventuellen Diskussion.

Weil ich auf meinen Host angewiesen war. Im worst case scenario schmeißen dich die Hosts raus und du stehst da, im Nirgendwo, womöglich ohne Handyempfang und kannst nicht weg. Und dann?Diese Überlegenheit sollte zahlenden Mitgliedern gegenüber niemals ausgespielt werden – und diese Haltung sollte seitens der WWOOF-Betreiber nicht unterstützt werden.

Denn genau das nutzen viele aus und genau das interessiert die Betreiber von WWOOF überhaupt nicht – man schiebt die Schuld (wobei ich das Wort in diesem Kontext sehr unglücklich finde), hin und her.


Die dritte Farm war eine Katastrophe. Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Lust mehr auf Farmarbeit, habe es aber durchgezogen, um Geld zu sparen. Eine ehemalige Reisefreundin reiste mit mir und war diesbezüglich wenig kompromissbereit. Aber was soll man machen, wenn zur Hochsaison Hostels fast so teuer sind wie Hotels und man nach einem Jahr Australien nur noch wenig Geld übrig hat?

Wir haben viel zu viel gearbeitet, zwar haben wir täglich die Tiere gefüttert und mit den Zäunen geholfen, was Farmarbeit ist, aber wir haben auch viel auf die nervigen Kinder (2 und 1) aufgepasst, die mir den letzten Nerv geraubt haben. Ich mag keine Kinder. Zwar wusste ich, dass im Haus Kinder sind, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Gören ständig in unser Zimmer platzten, unseren einzigen Rückzugsort, und auf ihren Plastikmusikboxen nervige Kinderlieder abspielten. Nach neun Stunden Arbeit genau das, was man möchte. Darauf wurde überhaupt nicht geachtet und das finde ich nicht in Ordnung. Auch hier: Kann ich den Kindern im eigenen Haus verbieten, sich frei zu bewegen, wenn ich der Gast bin? Ich bin nicht auf einer Farm, um bis 23 Uhr Babysitting zu machen, wenn ich um 5 aufstehen muss, während die Großmutter den Paddock weiter runter wohnt und das Au Pair übernehmen könnte. Ich wwoofe nicht, um Hüpfburgen zu putzen oder Würstchen für die örtliche Kinderspielgruppe zu verkaufen. Das Essen stand meistens erst abends um 22 Uhr auf dem Tisch und war kalt, weil der Mann zwischendrin eingeschlafen ist (gelernter Koch!). Ich musste eine Woche darum betteln, Brot und Haferflocken nachzukaufen, damit ich Frühstück habe und habe es schlussendlich von meinem eigenen Geld bezahlt. Das ist ätzend und gegen die Regeln. Und es ist absolut nicht zu viel verlangt, nach 9 Stunden Arbeit ohne Lohn wenigstens drei Mahlzeiten zu zur Verfügung zu stellen. Auch hier reagierte WWOOF mit “Selbst schuld, dass du da bist und Kinder gehören nun mal zur Farmarbeit dazu”.

Um es noch einmal klarzustellen: Mir geht es überhaupt nicht darum, dass ich alles schrecklich fand. Ich habe teilweise unvergessliche Erfahrungen gemacht, die ich nicht missen will. Ziegengeburten. Flauschige Küken. Kühe. Ich LIEBE Kühe. Frische Äpfel direkt vom Baum. Knuddelige Hunde. Ich weiß jetzt, wie man Schafe schert, Kühe von A nach B treibt, habe diese gewogen und ihnen Wurmkuren verpasst, musste einen ausgerissenen Bullen einfangen und habe mich einem herabfallenden Heuballen entgegengestürzt und somit die Futterreserve der nächsten Woche gerettet. Das ist verdammt cool.


Aber: Im Endeffekt mache ich diese Erfahrungen über eine Organisation, weil sie mir einen gewissen Schutz geben soll, der sich anhand von aufgestellten Richtlinien orientiert. Farmen finde ich in Australien wie Sand am Meer, dazu brauche ich nicht zwingend WWOOF. Wenn du irgendwo für Kost und Logis arbeiten willst, nehmen dich die meisten Farmer mit Kusshand, weil sie dir nichts bezahlen müssen und du eine günstige Arbeitskraft darstellst.Wenn die Organisation aber die gesamte Verantwortung auf dich abschiebt, von Schuld spricht, die eigenen Richtlinien total gleichgültig sind und du keinerlei Schutz als zahlender Kunde erfährst, finde ich das mehr als unzufriedenstellend. Denn wozu gibt es diese Regeln, wenn es unwichtig ist, ob diese eingehalten werden? Wozu zahle ich Geld, wenn die Verantwortung in Problemsituationen auf mich abgewälzt wird?


Aus diesem Grund möchte ich nie wieder WWOOF machen. Farmarbeit – ja, gerne. Sofort. Immer wieder. Farmarbeit über WWOOF? Nein. Niemals.


Ich habe der Organisation mitgeteilt, dass ich dafür nicht bereit bin, so viel Geld zu zahlen. Am Ende war das der einzige Punkt meiner kritischen Beschwerdemail, auf die WWOOF eingegangen ist und die 2/3 ihrer Antwort einnahmen: Sie finden es unverschämt, dass ich nicht bereit bin, für diesen riesigen, einmaligen Super-duper-Service das bisschen Geld zu bezahlen.Welcher Service? Ich bin doch ohnehin an allem Schuld.

Fazit

Es gibt gute Farmen bei WWOOF. Keine Frage. Es gibt tolle Geschichten von WWOOFern. Aber meine Erfahrungen waren nicht nur gut und ich sage es ganz ehrlich: Diese Farmen findet man in Australien überall. Bei manchen kriegt man auch mehr als ein liebloses kaltes Essen und Babygeschrei, teilweise sogar Lohn, wodurch man sich nicht ganz so ausgenutzt vorkommt. Die 70 Dollar kann man sich wirklich sparen. Letztendlich ist man ohnehin auf sich allein gestellt und dafür brauche ich dann keine Organisation, die ich noch mit Geld füttere.

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No worries,

Sarah