Travel

Bali #4

G’day Mates!

Im Juni 2016 war ich auf Bali. Ich hatte vor, dort für vier Wochen zu bleiben und im Rahmen einer Freiwilligenarbeit Land und Leute kennenzulernen. Was ich dort erlebt habe, erzähle ich euch im heutigen Post.

Kommen wir nun zum letzten Teil meines Abenteuers, wenn man vom Fazit und dem organisatorischen Post absieht (die beide erst im neuen Jahr folgen werden).


Heute würfel ich mal ein paar Tage zusammen.


Den letzten Tag der Einführungswoche verbrachten wir wieder mit Bahasa lernen und hatten eine nur fünf Minuten andauernde Einführung, was unser Volunteering Project angeht. Da ich das aber erst übernächste Woche antreten würde, war ich nicht so kribbelig wie die anderen.Am Wochenende kümmerte ich mich am Samstag um meine Klamotten, die ich wusch. Ich hatte nämlich sturmfrei^^ Daher nutzte ich die Zeit richtig aus.


Es ist toll, mit Leuten aus aller Welt zusammen zu sein. Aber es ist auch anstrengend. Du stehst mit ihnen auf, isst mit ihnen, hast Aktivitäten mit ihnen, isst wieder mit ihnen, machst etwas mit ihnen, isst wieder mit ihnen und hockst abends mit ihnen rum und schläfst dann auch noch im gleichen Raum. Das ist manchmal echt nervig.


Die anderen Mädels unternahmen eine Vulkan Tour, die ich kommende Woche machen würde. Ich hatte mich von der Yoga-Woche zur Abenteuer-Woche umentschlossen, da ich mehr sehen und erleben wollte. Da die Gegend, in der wir lebten, echt langweilig war und man nicht mal so eben in die Stadt kommt, wie ich dachte, wollte ich das umgehen. Außerdem war es so billiger.Nachmittags bin ich mit einer Zimmergenossin nach Ubud gefahren, weil wir zum berühmten Yogabarn wollten. Da es am Wochenende keinen Lunch gibt, gingen wir etwas essen, beim Bali Buddha.
Das ist ein Restaurant, das hauptsächlich organic food serviert. Wir entschieden uns für Reiscurry, ich nahm Gado Gado, einen Living Tropcial Fruit Pie und Smoothies.


Das Menü war als Zeitung aufgemacht, was mich zum Schmunzeln brachte, da ich direkt an GSW denken musste. Das bemerkte auch meine Zimmergenossin sofort. Für das Essen zahlten wir insgesamt 7€ pro Nase, was lächerlich wenig ist, wenn man das mit Preisen aus Deutschland vergleicht. Vor allem weil die Qualität sehr gut war und alles ökologisch hergestellt ist. Es hat so viel besser geschmeckt als alles, was ich bisher kenne. Einmal in Bali gegessen, für immer verdorben.


Da wir etwas trödelten, schafften wir es nicht rechtzeitig zur Yoga Klasse und gingen in den Bookshop unter dem Restaurant. Hach, was für ein kleiner gemütlicher Laden mit lauter tollen, unbekannten Schätzen und liebevollem Krimskrams. Man konnte dort Bücher kaufen und wenn man sie gelesen hat, zurückbringen und 50% vom Originalpreis zurückbekommen. Bücher sind nur leider recht teuer in Bali, weswegen ich mir keins mitnahm.


Wir stöberten herum und die Inhaberin ließ uns alle Zeit der Welt, obwohl sie längst schließen wollte. Hach, Balinesen sind so herzig.


Dann machen wir uns im Dunkeln auf den Weg und das war eine echte Tortur. Bürgersteige in Bali haben einfach mal mittendrin ein Loch, mal liegt Schutt im Weg und von den Rollerfahrern rede ich erst gar nicht. Eh wir uns mal über die Straße getraut haben, verging eine halbe Ewigkeit.

Auf dem Weg rutschte ich dann auch noch aus und schürfte mir Knie, Handgelenk und Ellbogen auf. Man, ich bin echt ein Volltrottel! Völlig verdreckt und blutig kam ich im Yogabarn an. Die einzige Class, die noch stattfand, war die Tibetanische Klangschalen Meditation und uns war beiden direkt klar, dass das nichts für uns ist.

Am Counter fragten wir, was man da so macht und der Typ ganz verwundert:
‚“Äh. Meditieren.”
Meine Zimmergenossin: “Ja … und?”
Da wurde er grantig: “Naja, man liegt da und meditiert.”
Also fuhren wir zurück.


Am kommenden Tag wollten wir zu viert einen Roadtrip unternehmen. Wir fanden einen Fahrer, den wir günstig für den ganzen Tag buchen konnten und fuhren zu einer Silberwerkstatt, weil eine meiner Roomies dort Schmuck kaufen wollte. Fand ich tierisch langweilig, da ich keinen Schmuck trage und mich dafür auch nicht begeistern kann. Wenigstens gab es gratis Wasser und Mentos.


Danach fuhren wir zu den Reisterrassen. ENDLICH! Die berühmten UNESCO Weltkulturerbe Terrassen, Tegalalang. Oder wie wir sie nannten “a lala lala long”.

Es war wunderschön dort. Es war auch der erste Ort, der mich so richtig inspirierte und faszinierte. Es war widerlichst schwül dort, aber unglaublich. Ich hätte Stunden rumlaufen können. Leider hatten zwei von uns darauf so gar keinen Bock, weswegen ich nicht das Gefühl hatte, dort lange verweilen zu können. Aber es war ein toller Abstecher dorthin und ich nahm mir vor, in meiner letzten Woche noch einmal dorthin zu fahren, um in Ruhe alles zu erkunden. (Spoiler: Dazu kam es nicht.)

Die letzte Station war ein Wasserfall, zu dem die Mädels unbedingt wollten. Ich gebe zu, dass es letztendlich schöner war als ich im Voraus gedacht hatte. Ein total ruhiger Ort, den wir für uns allein hatten. Wir sahen die Sonne untergehen und ich fühlte mich wirklich wie im Dschungel, es war toll. Gruselig war der Weg, den wir im Dunkeln zurückgehen mussten. Ich war heilfroh, dass ich ein Smartphone mit Taschenlampe hatte. Es ist in Bali nämlich wirklich richtig dunkel. Etwas, was ich aus Berlin nicht kenne.

Am kommenden Tag fand der erste Tag der Adventure Week an. Radtour durch Bali. Was ich mir dabei gedacht hatte, fragte ich mich, als ich meine atmungsaktiven Sportklamotten anzog.


Wir waren nur zu viert, was ich nach der Introduction Week sehr angenehm fand, wo wir etwa 30 Leute waren. Wir fuhren knapp zwei Stunden im Auto durch Bali, bis jeder von uns ein merkwürdiges Gefühl hatte, wo wir eigentlich waren. Es zog sich ewig. Mittendrin sammelten wir noch drei weitere Teilnehmer ein, von denen einer total gruselig war. Er redete die ganze Zeit mit sich selbst und zog seinen Schnodder lautstark hoch. Essen tat er mit den Händen und das auch noch sehr animalisch. Er war Mitte 40.


Das Frühstück, was wir auswärts aßen, war eklig. Keiner von uns aß etwas, es sah zu sehr nach Dschungelprüfung aus. Wir stibitzten uns daher lieber Bananen vom Baum, um für die Radtour gestärkt zu sein.


Am Vulkan angekommen schossen wir einige Fotos.

Dann wurden uns die Räder zugeteilt und es ging direkt los. Die Abfahrt war so steil, da wurde mir ja direkt anders. Ich war schon drauf und dran, zu laufen, aber alle anderen fuhren los und ich wollte nicht alleine als Schisser zurückbleiben. Also: Augen zu und durch.


Die Radtour war dann aber doch recht entspannt. Es ging zu 97% bergab, weswegen man hauptsächlich bremsen musste, Da mein Sattel irgendwie kaputt war, konnte ich nur auf niedrigster Stufe fahren und fühlte mich wie ein Hobbit (am Tag drauf hatte ich einen handtellergroßen blauen Fleck als Dank am Bein).


Wir fuhren durch Reisfelder, abgelegene Dörfer und klatschten anstürmende Kinder ab, sodass wir uns fühlten wie bei der Tour de France.


Wir wurden dann nach knapp zwei Stunden eingesammelt und nahmen einen Lunch in einem Restaurant ein, das wir bei malerischer Aussicht genossen. Um drei waren wir wieder zurück.

Am Abend merkte ich schon, dass ich etwas Bauchweh hatte, dachte mir aber nichts bei. Dass man bei dem komplett anderen Essen und überreifen Obst nichts mit dem Magen bekommt, war sowieso utopisch.


Leider wurde es bei mir etwas dramatischer.


Ich verbrachte die gesamte Nacht im Bad, weil ich Durchfall hatte und gleichzeitig erbrechen musste. Als ich zuerst dachte, das sei einfach nur etwas Falsches gegessen, stellte sich dann, als ich sogar reines Wasser aus abgepackten Flaschen erbrach, als etwas gefährlicher heraus. Im Nachhinein bin ich mir auch sicher, dass ich zeitweise bewusstlos war, weil ich mich an Vieles nicht mehr erinnern kann.


Am nächsten Tag half mir eine liebe Seele dabei, zum Arzt zu gehen. Ich war zu nichts mehr zu gebrauchen, völlig entkräftet, dehydriert und fertig. Der Arzt untersuchte mich, stellte fest, dass ich Fieber habe und akuten Durchfall mit Erbrechen. Ich bekam einen Berg an Medikamenten mit und fuhr nach Hause.


Dort nahm ich alles ein, ruhte mich aus und schlief viel. Die kommenden Aktivitäten konnte ich aber vergessen.
Man, was hab ich den Zwieback herbei gesehnt, den man in solchen Situationen isst. Mit fünf anderen Leuten, 100% Luftfeuchtigkeit, 33 Grad, Ventilatoren und Kantine, die 2km entfernt ist, war das echt kein Spaß. Es gab ja kein “normales” Essen.


An dieser Stelle muss ich sagen, dass ich absolut wütend auf die balinesische Organisation bin. Man sagte im Office Bescheid, dass ich krank und nicht in der Lage bin, zur Kantine zu laufen und niemand rührte sich. Anstatt mir ein Taxi zu schicken, musste ich 1km zum Office laufen, dort um ein Taxi bitten und mit einer Dolmetscherin, die kein Englisch kann, zum Arzt. Im Behandlungszimmer war ich dann allein.


Mein Englisch ist gut. Aber ich hatte die gesamte Nacht nicht geschlafen, mir ging es schlecht und die Hygienestandards sind halt auch etwas anderes dort.


Man sagte in der Kantine Bescheid, dass ich Essen brauchte und die packten mir Curry und Bananen ein. Die wissen, dass wir Touristen sind und die selten gut auf überreifes Obst reagieren. Schon gar nicht, wenn der Magen bereits angegriffen ist. Ich war wirklich wütend.


Die kommenden Tage war ich so schwach, sodass ich nicht zur Kantine gehen konnte. Ich aß ein wenig Weißbrot, aber das landete alles wieder draußen. Die Medikamente wirkten so natürlich auch nicht und das bei 33 Grad und 100% Luftfeuchtigkeit war der absolute Horror.


Nach einigen Überlegungen entschied ich mich schweren Herzens dazu, nach Deutschland zurückzufliegen. Der Hauptgrund war der, dass es mir mit jedem Tag schlechter ging und ich überhaupt nicht zu Kräften kam. Außerdem sollte es in wenigen Tagen auf die Insel Nusa Pendia zum Schildkröten Volunteering gehen. Dort existiert keine medizinische Versorgung, das Essen soll schlecht sein und es gibt Ratten und Bettwanzen in den Zimmern. Na, danke.
Ich fand es fahrlässig, wie man mich versauern ließ und dass meine Roomies nichts tun konnten, ist selbstverständlich. Schließlich sollten sie ihre Zeit genießen und nicht mich pflegen.Am Donnerstag ging ich dann zum Office und unterschrieb meine Entlassungspapiere. Gelderstattung? Nope. Dazu aber mehr im Fazit.


Wenigstens musste ich die Taxifahrt nach Denpasar nicht bezahlen. Immerhin. Der Fahrer konnte kaum Englisch, lesen auch nicht so wirklich und schmiss mich einfach mit Sack und Pack am Flughafen raus. Irgendwie fragte ich mich dann zum Hotel durch. Seit drei Tagen nichts im Magen, getrunken nur wenig (kam ja auch alles raus) und das in dem Klima mit dem gesamten Gepäck.


Ich war am Ende meiner Kräfte.


Als ich im Hotel ankam, kümmerten sich die Empfangsladies ganz liebevoll um mich. Gaben mir sofort Erfrischungstücher und etwas zu trinken. Sie waren ganz besorgt und fanden es traurig, dass es mir so schlecht ging. Ich muss einen echt jämmerlichen Eindruck gemacht haben.Das Zimmer war super. Allein schon wegen der Air Condition. Ich hatte endlich ein Bad für mich, ein riesiges Bett und war so fertig und glücklich, dass ich trotz Chris Evans im TV direkt einschlief.


Ich blieb bis Montag. Gemacht habe ich nichts. Ich habe gefeiert, dass ich HBO hatte und dir vorletzte GoT-Folge gucken konnte. In Denpasar ist es noch schwüler als in Ubud, mein Kreislauf kam damit gar nicht klar. Der gesamte Flughafen ist nicht akklimatisiert. Allein dort umher zu laufen, um etwas zu essen zu kaufen, hat mir enorm zugesetzt. An Unternehmungen war kaum zu denken. Lieber genoss ich meine AC, Internet und Fernsehen.


Nicht ganz das, was ich mir vorgestellt hatte, aber die Antibiotika machten mich auch tierisch träge und müde. Ich schlief sehr viel. Schließlich musste ich einigermaßen fit für den Flug sein.Den buchte ich um und flog am 20.6. nach Hause. Ich hatte sechs Stunden Aufenthalt in Doha. Um wach zu bleiben, lief ich den gesamten Flughafen ab und machte es mir zum Spaß, die Bahn, die dort fuhr, in allen erdenklichen Modi zu filmen, die das iPhone so hergibt.

Ein wunderbarer Morgen nach einer verflucht langen Nacht.


Völlig zerschlagen und kaputt (“Also bei deiner Abreise hast du wesentlich gesünder und frischer ausgesehen!”) kam ich in Berlin an, wo ich das Deutschland-Spiel im komatösen Zustand verbrachte. Ich schlief mehr als 14 Stunden durch.
Leider endete die Reise überhaupt nicht so, wie ich es wollte. Zumal sie als Belohnung für mein Studium gedacht war 🙁
Ich hoffe, euch hat der Reisebericht gefallen! Für Fragen stehe ich jederzeit zur Verfügung 🙂


No worries,

Sarah