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Bali#2

G’day Mates!

Im Juni 2016 war ich in Bali. Ich hatte vor, dort für vier Wochen zu bleiben und im Rahmen einer Freiwilligenarbeit Land und Leute kennenzulernen. Was ich dort erlebt habe, erzähle ich euch im heutigen Post.

Am zweiten Tag stand unser Batikkurs auf dem Programm. Während der langweiligen Vortragsstunde gestern sollten wir zum Anschluss Motive auf ein Tuch abpausen, woraus wir dann unsere Batikkunstwerke zaubern sollten. Ich hatte mich für Schildkröten entschieden, weil ich die dritte Woche auf Nusa Penida (eine klitzekleine Insel vor Bali) verbringen würde um mich für das Schildkrötenprojekt zu engagieren.  (Spoiler: Dazu kam es leider nicht mehr)


Wir waren allesamt begeistert, dass fleißige Helferchen unsere Batikwerke über Nacht nachgezeichnet hatten und es noch schöner gemacht haben als vorher. Eine meiner Roomies hatte sich nach der Batiktechnik erkundigt: Ein Künstler erhitzt Wachs, füllt es in eine Art Stift und fährt damit die von uns abgepausten Linien entlang. Das Wachs nimmt die Wasserfarbe, mit der wir dann batikten, nicht an, wird aber beim fertigen Bild entfernt, sodass weiße Linien bestehen bleiben.

Bei mir waren Augen und lächelnde Schildkrötenmünder hinzugefügt worden, was mir weitaus besser gefiel als meine Abpausversuche auf den Fliesen vom Vortag.


Jeder durfte sich drei Farben aussuchen und bekam Plastikbecher gereicht. In jedem von ihnen steckte eine Art XXL-Ohrenreiniger, auch Pinsel genannt 😀 Die Batiktücher waren auf Holzböcke gespannt und so stand man dann Rücken an Rücken, bzw. voreinander und malte munter drauflos.


Erst einmal trugen wir Wasser auf die einzumalenden Stellen auf und gaben Farbe mit dem Ohrenreiniger dazu. Durch das Wasser verläuft sie und um Effekte oder verschiedene Intensitäten zu erzielen, verwischt man die Farbe mit den Fingern. Meine linke Schildkröte ist etwas blass geworden, weil ich zu Beginn zu zaghaft war, aber so sehen sie nicht vollständig gleich aus, was ich auch schön finde.

Es hat echt richtig viel Spaß gemacht. Nebenher konnte man sich super mit den anderen Volunteers unterhalten. Zwar roch es in meiner Ecke etwas nach Kloake, aber das war okay^^


Nach dem Batiken sind wir zu dem Café bei uns an der Ecke gegangen und haben gegessen. Ich habe mir endlich das ersehnte Obst bestellt und bin danach zum Office, um wegen des Umzugs nachzufragen. Ganz unbürokratisch und undeutsch ging die Sache nach wenigen Klicks klar. Während meine neuen Roomies zum Ubud Market gingen, entschloss ich mich, den Umzug direkt zu tätigen – ich wollte da einfach nur weg.


Also schmiss ich alles in meine Tasche, schleppte es den halben Kilometer zum neuen Haus und wurde dort schon begrüßt. Als Einzugsgeschenk stellte ich meine Steckerleiste zur Verfügung 😀


Danach hüpfte ich unter die Dusche und dann ging es auch schon zum Nachmittags-Programm: Bahasa Language Class.

Wir lernten einige Smalltalk-Phrasen aus der indonesischen Sprache. Ich fand es toll, dass wir so auch sprachliche Bausteine in der Hand hatten, um einfache Dinge in der lokalen Sprache ausdrücken zu können. Das macht einen als Tourist direkt höflicher.


Die Aussprache mancher Buchstaben unterscheidet sich stark zum Deutschen oder Englischen und ich hätte gern eine Lauttabelle gehabt, um mir das zu merken. Vielleicht bin ich hier zu sehr Linguist, weswegen mich das gestört hat. Schaue ich jedoch heute auf das Alphabet, weiß ich anhand dessen zB nicht mehr, dass das R gerollt wird.


Leider fand ich die Art und Weise, wie der Kurs gestaltet wurde, alles andere als gut. Wir haben Partnerübungen gemacht, bei denen aber alle zuhören mussten. Das hasse ich ja wie die Pest. Es reicht, wenn der Lehrer rumgeht und die Aussprache gegebenenfalls korrigiert. Da ich bei solchen Dingen immer Glück hatte, hatte ich keinen Partner und durfte die Übung mit dem Lehrer machen, der so schnell gesprochen hat, dass ich kein Wort verstanden habe.


Nach einer Dreiviertelstunde war der Kurs zu Ende und wir gingen zum Haus zurück. Endlich konnte ich die Füße hochlegen und mich das erste Mal wohlfühlen. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, angekommen zu sein und genießen zu können.

Ich springe jetzt zum Donnerstag.


Die erste Tagesaktivität war der Ausflug zum Pura Tirta Empul Tempel. Das ist einer der berühmtesten Tempel in Bali. Eine riesige Anlage mit einem großen Wasserbecken, in dem es 12 Springbrunnen gibt. Dort kann man um Segen oder Beistand bitten oder einfach nur beten. Man benetzt dabei sein Gesicht dreimal mit Wasser, trinkt einen Schluck und taucht dann komplett unter. Diese Prozedur wiederholt man bei jedem Brunnen. Einige sind nur Frauen oder Männern vorbehalten, manche dürfen nur von Schwangeren benutzt werden.


Grundsätzlich muss man beim Betreten eines Tempels den Tempelschal tragen, um angemessen gekleidet zu sein (Beine bis zu den Knöcheln bedeckt). Frauen müssen einen Zopf tragen, da man keinerlei menschliche Spuren (DNA) hinterlassen darf. Das gilt als unrein. Man darf den Tempel nicht betreten, wenn man eine offene Wunde hat oder während der Menstruation, da man Blut hinterlässt. Unterwäsche ist auch Pflicht 😉

Um ehrlich zu sein: Als ich die Umkleiden gesehen habe, stand für mich fest, dass ich nicht ins Wasser muss. Das waren zwei schmale Gänge, alles sehr dunkel und muffig riechend. Es quoll von Indonesiern jeglichen Geschlechts über, die entweder halbnackt am Spind standen oder sich hinter Handtuchkonstruktionen umzogen. Das ist einfach absolut nicht meins. Da man ewig anstehen musste, um in eine der Toilettenkabinen zu kommen und ich nicht wollte, dass alle auf mich warten mussten, entschied ich mich dagegen.


Also habe ich am Beckenrand gestanden und die anderen fotografiert. Das war total okay für mich, man muss nicht alles mitmachen, nur weil es auf dem Plan steht.


Unsere Koordinatorin hat sich richtig rausgeputzt. Sowieso waren wir alle total verliebt in sie. Sie ist so eine süße, kleine, zarte und bescheidene Indonesierin. Alles, was sie tut, macht sie mit so einer ruhigen, bedachten und total präsenten Art. Es ist eine Freude, ihr dabei zuzugucken. Müsste man irgendjemandem den Begriff “Achtsamkeit” erklären, würde ich die Person dazu verdonnern, ihr einen Tag zuzugucken. Anhand der Art, wie sie Dinge tut, merkt man eindeutig, dass sie im Jetzt ist. Das fand ich beeindruckend.


Ich habe auch mal darauf geachtet, wie man sich gegenseitig zuhört. Meinetwegen auch Aktionen ausführt. Man ist doch nie so richtig bei der Sache. Wenn wir in der Kantine das Geschirr abwaschen, überlegen wir schon, was wir als Nächstes machen. Wenn wir mit den anderen zum Haus zurücklaufen, reden wir über den bisherigen Tag.
Das macht unsere Koordinatorin nicht. Sie wäscht ab. That’s it.


Das tat mir enorm gut. Zu sehen, was für eine Ruhe man ausstrahlen kann, wenn man präsent ist. Auch wenn es wahrscheinlich eine Lebensaufgabe ist, das zu erreichen. Vor allem im hektischen Deutschland, wo die Uhrzeit wichtiger ist als alles andere.Mit Oops I did it again auf den Ohren fuhren wir dann zurück nach Ubud. Dort hatten wir ein wenig Pause.

Anleitung zum Abwaschen, Weg zur Kantine, Abtropfgestell und das Willkommens- und Abschiedsmenü 🙂

Nachmittags hatten wir dann unsere Flower Offering Stunde. Wir sollten lernen, wie man die Blumengestecke herstellt, die in Bali Tradition sind.


Mit diesen Kunstwerken danken die Balinesen den Göttern für ihren Segen. Dabei muss man auf bestimmte Dinge achten. So symbolisieren alle Blumen die vier Elemente. Es ist wichtig, wo man sie positioniert, weil es einem bestimmten Regelwerk folgt.


Sehr beeindruckt haben mich die Ausführungen zum Silent Day in Bali. Das ist ein Tag, an dem die Balinesen in sich gehen. Der Flughafen steht still, es fahren keine Autos, niemand verlässt das Haus und man verzichtet auf Elektrizität. Man denkt über das nach, was man ändern kann. Was nicht so gut lief. Wo man hin möchte. Wie eine Art Vorsatz-Check, nur eben sehr viel tiefgreifender. Das fand ich sehr interessant. Zumal Bali die Umweltverschmutzung so verringern kann, da Ressourcen gespart werden. Allein die tausenden Ventilatoren und Klimaanlangen, die ausgeschaltet bleiben… hui.


Aber zurück zum Flower Offering:

Um es kurz zu machen: Jeder von uns hat versagt. Unsere Blumenblätter knickten ab, zerbrachen, teilten sich, blieben stecken oder durchbohrten gar nicht erst den Bambus (das Viereck). Unsere Koordinatorin hatte ihren Spaß, wie wir uns abmühten und völlig verzweifelten. Wir brauchten Minuten, um diese dummen Dinger mal dahin zu bekommen, wo wir sie haben wollten. Wir baten sie um Hilfe und nach drei Sekunden war sie fertig.


“Bricht der Zweig durch, ist eure Energie zu stark.” Äh ja. Scheint so, als müsste die mal lernen zu bündeln 😀 Das war es für den heutigen Post. Aber bald wird es weitergehen – ich hoffe, ihr seid gespannt 🙂


No worries,

Sarah